Über die Wichtigkeit seinem Tun Sinn zu geben
Wenn man dem Volksmund Glauben schenken darf, dann sind es ja gerade Kinder und Narren, die die Wahrheit sprechen. Meine Kinder sprechen nicht nur „die Wahrheit“, sondern sie sind Meister im Stellen der präzisesten und gnadenlosesten Fragen.
In meiner Zeit als Sales & Marketing Director Europe für einen großen Amerikanischen Konzern, fragte mich eines Tages meine Tochter: „Du Papa, was machst du eigentlich genau, in der Arbeit?“ Per se eine relativ einfache Frage, doch deren Beantwortung brachte mich in einen veritablen Erklärungsnotstand. Tja, was machte ich eigentlich die meiste Zeit meines Tages, oft meiner Abende, meiner Wochenenden, meiner Urlaube?
Wer kennt nicht das Pflichtbewusstsein, dass uns antreibt, unsere Arbeit „ordentlich“ zu erfüllen. Da, noch etwas mehr Zeit in Mitarbeiter(Gespräche) investieren; hier, noch eine Geschäftsreise zusätzlich in den Terminkalender packen. Dort, den geplanten (und gebuchten) Urlaub, etwas kürzen und umbuchen, um am Sonntag, doch früher als geplant, die kommende Woche vorbereiten, Emails zu checken und dadurch die gemeinsame Familienzeit zu reduzieren. Aber wozu?
Und da kommt es wie aus der Pistole geschossen: Die Rechnungen müssen bezahlt werden! Die Hypothek für das Haus, das Leasing der Autos, die Schulen der Kinder, die private Pensionsvorsorge und und und… ganz schön viel, was da zusammenkommt. Wenn man „Kassasturz“ macht und sieht, wie viele Verpflichtungen man jeden Monat zu bedienen hat, da kann einem schon etwas Angst und Bange werden…
Was ist es uns wert, auf das Hier und Jetzt mehr oder minder zu verzichten? Denn faktisch tun viele von uns nichts anderes, als dass sie ihr Leben auf später verschieben, indem sie viel Zeit in Arbeit investieren. Dieses Investment – Zeit – soll sich rentieren. Soll Geld bringen, um die Rechnungen bezahlen zu können, um dann später, in der Pension, das Leben genießen zu können.
Sind Sie mal ehrlich zu sich selbst – an wie vielen Tagen in der Woche sind Sie in der Lage nach einem Arbeitstag sich Ihrer Leidenschaft, Ihren Hobbys, Ihren Lieben mit Aufmerksamkeit und Hingabe zu widmen? Ist es nicht oft so, dass Sie schlichtweg zu müde, zu ausgelaugt sind und alles einfach zu viel ist? Können Sie das ändern?
Sie haben möglicherweise von der 80/20, der Pareto Formel* gehört – Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt oder 80-zu-20-Regel genannt, besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen mit 80 % die meiste Arbeit. – Sehen Sie sich mal an, wie viel Zeit Sie auf Dinge verwenden, die Ihnen wenig Lebensfreude bringen und wie viel auf jene wo Ihre Leidenschaft, Ihre Freude darin liegt.
Der Großteil (ebenfalls ca. 80%) der westeuropäischen ArbeitnehmerInnen ist mit der Beschäftigung, die sie verrichten nicht zufrieden und hätte gerne einen Job, der sie mehr erfüllt und Freude bereitet. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Teil dieser Mehrheit sind und das auf Sie zutrifft, ist relativ hoch. Sie könnten natürlich sagen, dass das nicht weiter schlimm ist. Außerdem ist das alles nicht so einfach und schließlich muss Geld verdient werden. Sie könnten sich aber auch ernsthaft fragen, ob Sie das so wollen bzw. wie Sie das ändern können.
Zurückkommend auf die Frage meiner Tochter, was ich eigentlich genau in meiner Arbeit machen würde und der von mir gewählten „Subline“ zu diesem Beitrag: Zum einen, konnte ich ihr die Frage nicht sinnvoll beantworten und zum anderen, ist seither viel passiert. Nach einem Burnout, einen Wirbelbruch, vielen Gespräche, zur Reflexion anregenden Büchern, unzähligen Gedanken und mit Nachdenken verbringender Zeit, habe ich für mich erkannt, wie wichtig es ist, dem was wir tagtäglich tun Sinn zu geben.
Den Sinn in unserem Tun muss jeder für sich selbst finden und definieren. Ich hatte keinen Sinn mehr in meinem täglichen Hamsterrad. Die 60-80 Wochenstunden in meiner Arbeit ließen mich ausbrennen. Für mich war es Zeit, mich mit meiner zweiten Lebenshälfte auseinander zu setzen. Dabei musste/wollte ich jenes loslassen, was für mich nicht mehr relevant war bzw. sich die Prioritäten verschoben hatten – wie zB. Karriere, Status, Ansehen etc.
Loslassen, um mich anderen Schwerpunkten widmen zu können – eben dem Sinn in meinem Tun, meiner Arbeit. Dem Sinn in meinem Leben. Mit Menschen zu sein, um wert- und inhaltsvolle Beziehungen eingehen zu können. Dem Sinn, meine Kinder auf ihrem Weg begleiten zu können, indem ich Zeit für sie habe. Dem Sinn, meine berufliche Erfahrung mit anderen zu teilen, sie zu unterstützen.
Wenn wir es schaffen, unsere Tage mit Sinn zu erfüllen, dann ist es ein Leichtes das Hier und Jetzt zu genießen; dann ist die Arbeit keine Last, dann ist es nicht nötig auf die Pension zu warten; dann ist jeder Tag es wert in vollen Zügen gelebt zu werden.

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