Oder wann sind wir eigentlich MENSCH?
Im christlichen Glauben (und nicht nur da – siehe*) stellt sich durch die Dreifaltigkeit die „Ganzheit“ Gottes dar. Nur durch das Zusammengehen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ist Gott. Diese Trinität finden Philosophen in einer anderen Art und Weise, wenn sie den Menschen betrachten. Da ist der Mensch erst Mensch, wenn Geist, Körper und Seele sich zusammenfinden. Wenn eine dieser drei Größen abhanden kommt, ist es dann noch Mensch? Was macht uns wirklich zum Menschen?

Sich pragmatisch dieser Frage nähernd, würde das vereinfacht dargestellt bedeuten: Kein Körper – kein Mensch. Was relativ logisch erscheint, aber wie ist es mit dem Geist und der Seele? Können wir diese Frage, ohne ins esoterische Eck gestellt zu werden, beantworten? Was ist unser Geist? Was unsere Seele?
Es scheint verlockend, den Geist mit unserem Verstand zu erklären, aber ist es das? Ist unser Verstand wirklich das, was wir unter „Geist“ verstehen? Interessant wird es, wenn wir uns die Begrifflichkeit näher ansehen. Denn da wird der Geist im Altgriechischen Psyche genannt und im Lateinischen Spiritus. Allgemeinhin definiert sich die Psyche nach dem Bewussten, dem Unbewussten und dem Unterbewussten und näher betrachtet kann das wohl nicht nur unser Verstand sein. Denn wie verhält es sich mit dem Verstand, wenn wir träumen? Wenn wir in Trance oder Hypnose sind?
Die Seele scheint noch schwieriger zu fassen zu sein, als der Geist, der im Vergleich zum Körper schon die Grenzen des „Definierbaren“ aufgezeigt hat. Wir in der westlichen Welt mit Aufklärung und all den geisteswissenschaftlichen Errungenschaften, stoßen an unsere Grenzen, wenn wir etwas nicht messen, nicht sehen oder vorstellen können. Was sich nicht in Schubladen des Erlernten, des Verstandes, unserer gesellschaftlichen Normen stecken lässt, wird dann schnell als Phantastereien, esoterischer Schnick-Schnack oder schlicht als Unfug abgetan. Doch selbst hier könnten wir unseren westlichen „Verstand“ beruhigen, denn der amerikanische Arzt Duncan MacDougall wog um ca. 1900, Patienten knapp vor und unmittelbar nach dem Sterben – zum Zeitpunkt als sie tot waren. Er kam zu der Erkenntnis, dass der Unterschied zwischen lebend und tot im Schnitt 21 Gramm waren.
Auch ohne genauer Messung oder Erklärungen von Außen, merken wir sehr genau, wenn wir nicht eins sind; wenn wir nicht „im Reinen“ sind. Wir spüren gut, dass wir „aus der Mitte„sind. Wir sind aus unserer Mitte, weil eine unserer drei Größen nicht mehr in Balance ist. Weil wir unserem Körper zu viel zugemutet haben, weil wir unsere Seele vernachlässigt haben, weil wir unseren Geist überstrapaziert haben… Auch wenn es vielleicht keine klare naturwissenschaftliche Erklärung, kein Messen, kein Spezifizieren dafür gibt – es ist da.
Der Mensch ist eben weit mehr, als die einzeln betrachteten Körper, Geist und Seele. Es ist die Dreiheit, die Dreifaltigkeit dieser Größen, die uns ganz sein lässt. Und es ist unsere Verantwortung uns selbst gegenüber, dass wir alle drei achtsam wahrnehmen, ihre Bedürfnisse erkennen und diese auch befriedigen. Wir sind nicht nur feststoffliche Wesen, die verstandgetrieben durch diese Welt wandeln. Wir sind auch feinstoffliche Geistwesen.
Wir sind es gewohnt, uns um unseren Körper zu kümmern (meist erst, wenn er sich bemerkbar macht, weil er nicht mehr so funktioniert, wie wir das gewohnt sind), indem wir auf Ernährung achten, ins Fitnesscenter gehen etc. Auch den „Geist“, besser unseren Verstand können wir mehr oder minder befriedigen. Durch Geistesnahrung, die wir ihm in Form von Büchern, Kulturreisen, Theater etc angedeihen lassen. Aber was tun wir für unsere Seele?
Erinnern wir uns mal zurück, wie es war, als wir Kinder waren bzw. beobachten wir Kinder, die ganz im Hier und Jetzt sind. Sie sind Meister, wenn es darum geht ihrer Seele Raum und Nahrung zu geben, sofern sie nicht von ipads, Playstations, Handies und anderen Dingen von ihrem eigentlichen Sein abgelenkt werden.
Wir tragen alle ein Kind in uns, das immer noch weiß, was sich unsere Seele wünscht und was ihr gut tut. Es liegt an uns hineinzuhören, zu lauschen und in der Stille das zu finden, was unsere Seele nährt…
*auch in anderen Religionen findet sich die Dreiheit beispielsweise bei den alten Ägyptern (Osiris, Isis, Horus) oder im Hinduismus mit Brahma, Vishnu, Shiva.
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