„…in Wirklichkeit, trägt die Wirklichkeit ein Forellenkleid und dreht sich still und dreht sich stumm nach anderen Wirklichkeiten um.“ André Hellers Zeilen haben mich über Jahrzehnte fasziniert, weil ich das melodiöse Spiel mit den Worten so toll fand. Heute sehe ich darin eine ganz bestimmte Botschaft.

Es beschäftigt mich sehr, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Wenn ich mit Klienten auf der Suche nach dem Ursprünglichen der körperlichen Probleme bin, dann taste ich meist über Körperregionen und teilweise muss ich auch in tiefere Körperschichten „tasten“. Den Druck, den dabei meine Finger ausüben wird höchst unterschiedlich empfunden. Manche quittieren den Druck gar nicht, andere ein leichtes Zucken, wiederum andere mit einem leisen Ächzen und zu guter letzt sind am Ende der Skala jene, die diesen Druck als sehr schmerzvoll wahrnehmen.
Obwohl viele meiner Griffe, Testungen, Streichungen etc. immer gleich ausgeführt werden und der Druck nahezu identisch ist, nimmt jede/r KlientIn diesen sehr unterschiedlich wahr. Warum sind wir so unterschiedlich in unserem Fühlen, Wahrnehmen, Empfinden etc.? Unsere Körper haben ja per se den gleichen Bauplan und da sollte ja nicht grob was anders sein. Also was ist es, dass uns so unterschiedlich wahrnehmen lässt.
Oft, wenn ich nicht weiter weiß und guter Rat teuer zu sein scheint, wende ich mich an meine Spezialisten, meine Kinder. Sie haben eine erstaunliche Auffassungsgabe und ein Talent Dinge auf den Punkt zu bringen. Die Antwort kam so schnell und präzise, wie fast immer: „Na, weil ich ganz anders spüre, als Levi (Helenas Bruder) oder du und ich ein Mädchen bin.“.
Ich glaube tatsächlich, dass darin die Antwort auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen liegt, auch wenn ich es etwas komplexer sehe und leider es nicht so präzise auf den Punkt bringen kann. Es ist das Fühlen. Es sind unsere gespeicherten Wahrnehmungen. Jene, die sich im Laufe eines Lebens so ansammeln. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass wir physiologisch alle gleich sind, natürlich nicht, aber wie wir das Erlebte abspeichern und es mit bestimmten Gefühlen verknüpfen, das ist höchst individuell.
Und hier kommt André Heller ins Spiel – die Wirklichkeit, die wir – jeder für sich – tagtäglich erleben, ist auch für jeden/jede EinzelnEn tatsächlich diese eine Wirklichkeit, die sich aber wissentlich oder nicht, nach anderen Wirklichkeiten umdreht, weil sie sich selbst in Frage stellt. Für mich bedeutet das, dass jede Wahrnehmung „richtig“ ist, aber auch genauso „falsch“, denn des Einen Wirklichkeit, ist nicht der Anderen Wirklichkeit.
Und was heißt das jetzt? Für mich persönlich bedeutet das, dass jeder Mensch in seiner sehr individuellen Wirklichkeit lebt, dass seine/ihre Wahrnehmung ein Resultat aus Erlebten verknüpft mit Emotionen ist. Diese Wahrnehmungen definieren die individuelle Wirklichkeit.
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